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Wechsel der Einspritzdüsen am 2H

Text und Fotos: Benjamin Rischer

 


Der HJ60 1-Tank PÖL-Cruiser


Vorwort:


Ich bin keinesfalls ein Schrauberprofi. Dies ist keine professoinelle Anleitung. Ich stelle hier nur meine (1.) Erfahrung beim Wechseln der Düseneinsätze, Düsenhalterdichtringe, Flammscheiben und der Dichtringe am Auslass der Einspritzpumpe zur Verfügung.

 

Diese Arbeit hätte mich bei einem Boschdienst ca. 700-800 Euro gekostet. Somit habe ich mich entschlossen dies selbst zu tun. Damit war der Preis auf 180 Euro (hätte das Prüfgerät funktioniert noch 80 Euro weniger) zu drücken.

 

Bei dem Wechsel konnte mir Martin, ein alter Familienfreund, beistehen und mich anleiten, der schon Erfahrung mit Düsenwechseln hat. Nicht zu letzt hat es mir Spass gemacht.

 

Der Spass hat insgesammt etwar 10 Stunden in Anspruch genommen. Ein Profi hätte wohl 3-4 gebraucht. Leider hab ich im Eifer des Gefechtes viel zu wenig Fotos gemacht.


(Anmerkung: Ab jetzt gelten folgende Abkürzungen: ESD = Einspritzdüse; ESP = Einspritzpumpe.)

 

 

Gründe für den Wechsel:


Die Düsen hatten mindestens 200.000 km auf dem Buckel (empfohlen ist ein Wechsel ca. alle 100.000 km.). Davon knappe 50.000 km mit PÖl.

 

Die letzte ASU mit Diesel lieferte grenzwertige Ergebnisse. Versuche mit 90-100% AltPÖL waren nicht befriedigend und lieferten vorallem ein miserables Kaltstartverhalten.

 

Auch wenn er mit FrischPÖL immer sehr gut startete (auch im Winter) begann er in letzter Zeit schleichend immer mehr eine Zündung auszulassen, bzw. sehr mangelhaft auf einem Zylinder zu Zünden. (Ruckeln in niederen Drehzahlen)

 

Nach Abhören der Zylinder mit einem Schraubenzieher, habe ich bei der verdächtigen Brennkammer beim Rausdrehen der Glühkerzen bemerkt, daß die eine Kerze tatsächlich nass - verölt war. Das bedeutet, die ESD vernebelt fast gar nicht mehr und tropft. Damit war klar: jetzt wird es höchste Zeit für den ESD-Wechsel.


Außerdem nervte mich schon länger eine leichte Inkontinez der Auslassventile an der ESP.

 

Für das PÖL /altPÖL fahren kann ein leicht über der Norm liegender Öffnungsdruck nur nützlich sein.

 

Besonders mit PÖL-betriebenen Wagen empfielt sich auch bei der Gelegenheit mal die Glühkerzen rauszudrehen um zu sehen ob sie noch gut sind. (Meine waren vor nicht all zu Langem gewechselt worden und sahen eigendlich fast neuwertig aus...)

 

 

Was wird benötigt:

 

Ich setzte ein normal gutes Werkzeugset eines Amateurbastlers voraus: Großer ordentlicher Steckschlüsselsatz, gutes Set Schraubenschlüssel, Draht etc.
6 Düseneinsätze (nur Düsen nicht den Düsenstock) - Ich habe des Preises wegen die von Delphi für 19.45 Euro/Stück gewählt (zu haben bei www.autoteile.cc.)
6 Flammscheiben (Toyota-Teilenummer 11177-47010)
6 Düsenhalterdichtringe (Toyota-Teilenummer 11177-47010)
6 Einspritzdüsen Auslassventildichtringe (Toyota-Teilenummer 11176-56010)  (Alle Ringe haben mich zusammen c.a. 30 Euro gekostet)
Einen kleinen Satz Unterlegscheiben zum Einstellen des Düsendrucks. (Hab ich gratis bekommen kostet sonst aber so um die 30 Euro)
Einen Drehmomentschlüssel (muß glaube ich nicht unbedingt sein).
Ein Düsenprüfgerät/Abdrückgerät (oder z.B. ein Boschdienst in der Nähe)

 

Meine Erfahrung beim Rumfragen war, daß normale KFZ-Werkstätten so ein Gerät praktisch nie besitzen. - Ich hatte mir schließlich eines geliehen, daß dann dummer Weise einen 14mm Anschluß (diverse Mercedes Baureihen) hatte - meine Düsen hatten leider ein 12mm Gewinde... (Tja, zu faul zum Abmessen gewesen! Selber Schuld!)

 

Ich habe mir noch einen besonders großen Hebel /Griff für die Steckschlüssel / 6Kant-Nüsse besorgt und der hat sich auch bewährt. Die Düsen sitzen einfach so fest, daß sonst meine Kraft nicht ausgereicht hätte, besonders um den Düsenhalter zu öffnen.
Kriechöl (das 2 mal die letzten 2 Tage vor dem Wechsel auf alle Schrauben und Muttern und auf die Düsen gesprüht wurde.
Eine Handlampe /Taschenlampe um beim Arbeiten in den Düsenöffnungen genug zu sehen.

 

 

Also los!

 

 

Hier ist nur der Motorentlüftungsschlauch abgenommen! (Rote Schrift: T-Stücke für SIS-System)

 


1. Die kleinen Vorarbeiten:


- Der Motorraum des HJ60 weißt zwar schon etwa die Bewegungsfreiheit auf, die ein Wagen haben sollte, der nicht zu den diversen Baureien der flitzigen, prozigen Wegwerfautos, gehört, wie sie in der Streßgesellschaft so beliebt sind, jedoch: Mir ist's trotzdem noch viel zu eng:


Erstmal wird also damit begonnen den Luftfilter, natürlich samt Gehäuse und der daran hängenden Schläuche, auszubauen. Wenn man so schmal wie ich ist, hat man damit erreicht, daß man sich, den Radkasten als Sitzbank benutzend, die Beine vorsichtig auf der Motorhalterung, in den Motorraum setzten kann.

 

Glaubt mir, es ist richtig bequem und hat was vom am Schreibtisch sitzen...  Leider kein Foto davon - Sieht bestimmt amysant aus!
Die nun weit aufklaffende Öffnung zum Ansaugtrakt mit Drosselklappe drinn, haben wir Sicherheitshalber mit Küchentüchern zugepfropft.


- Durch meinen Motorraum läuft auch noch die große Schlauch-im-Schlauch Leitung zur Vorwärmung des PÖLs. Diese habe ich auch noch locker gelöst.

- Der Motorentlüftungsschlauch muß entfernt werden.

- Die dicke Kupferleitung (Kühlwasserrohr) ist genau über den Hochdruckleitungen und den Leckölleitungen angebracht. Ich hab die Sockel gelöst und dann mit Gewalt die Leitung nach hinten geschoben. Gründlicher wäre ganz abnehmen!

Nun kommen wir an die ESP und auch die ESDs wunderbar ran und die Hochdruckleitungen und Leckölleitung liegen frei.

 

 

2. Auslassventile ausbauen, Dichtring erneuern:

 

- Nun werden die Muttern an den Einspritzleitungen gelöst. Dann die diversen kleinen Halter, die die Leitungen zusätzlich führen.

- Jetzt sind die Leitungen frei beweglich. (Ich habe sie nicht völlig herausgenommen - dann bleibt einem daß Puzzelspiel beim wieder montieren erspart.)  Ich habe sehr darauf geachtet die Leitungen nicht zu verbiegen.

 

- Nun können die Ventilhalter der ESP herausgenommen werden. VORSICHT: Dabei kann die Druckfeder aus dem Halter fallen!

- Danach mit einer kleinen Spitzzange den kleinen Stößel und den Ventilsitz mit dem Dichtring darauf herausnehmen.

- Alles wird einmal mit Spühliwasser gereinigt, der neue Dichring einggesetzt und alles wieder in verkehrter Reihenfolge eingebaut.

 

 

1. und 2. Halter ist herausgeschraubt.


 

Auslassventil (Von Links nach Rechts): Sitz, Stößel, Feder, Halter...

 

 

3. ESD Halter entfernen. Düseneinsatz wechseln.


Nach der ESP kamen nun die ESDs drann:


- Die Muttern der Leckölleitung aufschrauben (19mm). Leckölleitung vorsichtig abziehen. Diese dann auch reinigen, besonders, dort wo sie auf dem kleinen Auslasskanal oben am Halter aufsitzen.

 

 

- Düsenhalter (an der Mutter ganz unten! 27mm) mit großer 6-Kantnuss und langem Helbel ausgeschraubt. Hier war viieel viieeel Kraft von Nöten. Ich habe alle Düsenhalter nummeriert um sicherzugehen, daß sie auch wieder in Ihr ursprüngliches Gewinde eingeschraubt werden. (Vielleicht etwas paranoit, aber ja auch keine lange Arbeit...)

- Dann mit noch mehr Kraftaufwand den Düsenhalter aufschrauben (24mm)

- Vorsichtig die Einzelteile herausnehmen und mit Spühli reinigen. Düseneinsätze  gegen die neuen wechseln. (Leider habe ich vergessen ein Foto vom Inneren der Düse zu machen...)

- Dann wieder die alten Unterlegscheiben, die Druckfeder und den Düseneinsatz rein und ersteinmal zuschrauben.

 

 

Links die alte verkokte Düse. Daneben vier frische...

 

 

                        Das Vorher / Nachher Bild

 


- Nun müssen die Düsen abgedrückt werden, bzw mit Unterlegscheiben der gewünschte Öffnungsdruck erzielt werden. Leider war ich im Vorfeld zu faul /doof das Gewinde am Düsenhalter nachzumessen.

 

Das geliehene Druckprüfgerät hatte dummerweise eine Hochdruckleitung mit Innengewindedurchmesser 14mm. Die Düsenhalter aber hatten eine Aussengewinde mit 12mm.

 

Versuche, selbst einen Adapter aus einem Stück Kraftstoffschlauch, Dosenblechmantel und einigen Schlauchschellen zu bauen hielten nur das Abdrücken einer Düse stand (- und das empfand ich schon als Wunder!).

 

Also mußten wir am nächsten Tag zum nächsten Boschdienst und dort für 80 Euro die Düsen auf 135 bar (Norm 120bar) einstellen lassen. Kostet ja auch nicht die Welt... Trotzdem schade, aber ich bin ja selbst schuld!


- ACHTUNG: Die Düsennadeln an der Spitze sind sicher sehr empfindlich. Wir haben bei jedem Transport der Düsen um jede einzeln alte Lappen gewickelt, um sie vor Schlägen und Druck zu schützen.

 

 

4. Flammscheiben und Dichtscheiben auswechseln:


- Nun hab ich mich gemühtlich in den Motorraum gesetzt: In der einen Hand eine Taschenlampe (bei Tag!) mit der ich mir das Düsenloch zum Brennraum erhellte. Mit der anderen gilt es nun die Dichtringe und Flammscheiben herauszupopeln. Ich habe sie vorsichtig mit einem Schraubenzieher gelockert und dann mit einem kleinen "Angelhaken", den ich mir aus einem Stück Draht gefertigt hatte, herausgezogen.

 


- Nun vorsichtig mit immer wieder frischem Küchentuch das Gewinde und die Sockel für die Scheiben gereinigt, dann mit dem Drahthaken die neuen Dichtringe und Flammscheiben versenkt.

 

Die Flammscheiben haben eine leichte Wölbung im Ring. Die Wölbung zeigte bei mir beim Ausbau in Richtung Brennkammer, so wird sie auch wieder eingebaut. (Beim letzten Düsenloch vor der Spritzwand ist das dann etwas nervig weil es eng ist und die Heizschläuche im Weg sind...)

 

 

5. Das Finale: (Alles wieder rein und Entlüften, Entlüften und Entlüften).

 

Jetzt können die Düsenhalter mit 70Nm mit dem Drehmoment Schlüssel eingeschraubt werden.

 

Die Leckölleitung wieder drauf, die Hochdruckleitungen fest, den Verbindungssteg für die Glühkerzen wieder ran und schließlich den Luftfilter mit allem Drumm und drann wieder hinein.

 

 

6. ENTLÜFTEN:

 

  1. Die Einspritzleitungen werden ganz locker auf die Düsen geschraubt. Nur 0,5 bis 1. Umdrehung. Entlüftungsschraube am Dieselfilter lockern. Mit der Handpumpe erstmal pumpe bis Sprit am Diselfilter austritt.
  2. Anlasser orgeln lassen bis Sprit bei den Düsenanschlüssen austritt. Dies hat bei mir mindestens 30 Sekunden gedauert und ich hatte schon Angst um die Batterien.
  3. Wenn Sprit reichlich ausgetreten ist schnell die Anschlussmuttern ordentlich fest ziehen.
  4. Dann Motor anlassen. Er springt gut an läuft super fängt aber nach kurzer Zeit wieder das Stottern an. Wieder Entlüften, diesmal nur am Dieselfilter Auslass. (Die ESP mußte bei mir nicht entlüftet werden, soll aber auch vorkommen...)
  5. Das Spiel mit dem Entlüften wiederholte sich noch 2 Mal inner halb der ersten halben Stunde Motorlauf.

 

 

7. Was hat's gebracht:


(Auffällig war, daß selbst die Öffnung zum Brennraum bei der Düse, die bereits keine Ausreichende Zündung mehr gebracht hat, deutliche Verkokungen zeigte. Vom daher war es also höchste Zeit.)
Der Motor läuft nun präzise und etwas lauter und springt auch mit fast 100% FrischPÖL (bis jetzt getestet) so ordentlich an, daß man wohl ohne den PÖL-Geruch kaum merken würde, daß kein Diesel drinn ist. Die Leistung ist deutlich besser (ich hoffe auch der Verbrauch ist noch unter 11 Liter gefallen). 


Kein dunkler Rauch beim "5. Gang 50km/h Durchtrehten - Test" !
Zu vorher ist auch deutlich , daß der Motor sich eben nun mit PÖL beinahe genau so wie mit Diesel anhört, was ich für ein Zeichen einer sauberen sehr dieselnahen Verbrennung halte.

 

 

8. Schlusswort:


Um Kritik und Anregung insbesondere auch die technischen Formulierungen betreffend wird ausdrücklich gebeten! Tiefere Erforschungen des Werkstatt-Fachwortschatzes, der mir nur sehr unzureichend geläufig ist, habe ich mir aus Zeitgründen gespart. Es fehlen mir oft die treffenden Fachbegriffe für "das komische Teil was da vor mir liegt".

 

Allen die so Laienhaft wie ich an ihren Schrauberspass herangehen kann ich nur sagen, die scheinbar düster von Unmachbarkeiten umstellte Hürde des Düsenwechsels war, wenn man ersteinmal mit den Schraubenschlüsseln vor dem Motor sitzt weit aus selbsterklärender als ich jeh erwartet hätte. Sehr gut war natürlich auch der weitaus erfahrenere Martin der mir mit seiner größeren Bastlererfahrung und oft auch mit einem starken 3. und 4. Arm zur Seite stand.

 

...Und jetzt erstmal ab zum Ölwechsel!

 

Gruß
Benni

 
In Kooperation mit

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Abenteuer Allrad in Bad Kissingen - 22.-25. Mai 2008 - Besucht den Buschtaxi-Stand in der Mitte der Messe!
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