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BJ75: Der Innenausbau von Matthias Svoboda

Text und Fotos: Matthias Svoboda

 

Einfacher Innenausbau eines BJ75 für vier Personen

 


 

Die Ausgangslage

 

 

Der Dachträger bietet viele Möglichkeiten um auf dem Dach zu schlafen und immer noch Dinge zu transportieren, innen hats halt erst mal einfach viel Platz. Eine Rücksitzbank ist eingebaut, und diese kann man zusammen- und nach vorne klappen.

 

Am Ende sollten vier Personen für längere Zeit damit fahren und drin / drauf schlafen können. Innen hats höchstens Platz für drei Personen nebeneinander, also müssen zwei Personen aufs Dach oder neben das Auto. Dafür will ich ein normales Tunnelzelt verwenden, der Vielseitigkeit und der Anschaffungskosten wegen.

 

Bis jetzt hab ich noch keine solche Konstruktion gesehen, alle scheinen nur zu zweit unterwegs zu sein…

 

Viel kosten sollte es auch nicht.

 

 

Der Innenraum ist schon schön vorbereitet, in die Seitenwände sollen Staufächer kommen und das Reserverad kommt vorerst mal aufs Dach.

 

<hr>

 

Die Vorbereitungen

 

 

Nach intensiven Beratungen mit meinem Mentor Walter steht die Lösung fest: Zwei Kisten rechts und links, die als Sitzbänke dienen. Dazwischen kann dann ein Brett gelegt werden und fertig ist die 1.40m lange Liegefläche. Da keine Kinder mitfahren, muss mehr Platz her. Wenn man zwischen die Kisten eine dritte, bewegliche Kiste hinstellt, kann diese als Verlängerung der Liegefläche dienen. Diese würde nämlich genau in den freigewordenen Raum passen, der entsteht wenn man die Rücksitzbank nach vorne klappt. Diese Lösung ist nicht notwendig, wie man später sehen wird.

 


 

Die Bauarbeiten

 

 

Zuerst müssen die Innenverkleidungen weg. Dann habe ich die Abdämmungen für die Resonanzräume der Lautsprecher montiert, das sind die schlampig verkitteten Spanplatten unter den Rücksitzgurten.

 

Die massiven Befestigungen für die Kisten sind schon festgeschraubt. Dies erforderte etwas Kreativität wegen den Anschraubpunkten, aber sie halten dafür bombenfest. Wann immer möglich verwendeten wir Metallschrauben mit Muttern anstelle von Holzschrauben.

 

 

Die rechte Kiste. Als Baumaterial für die Seitenwände verwendeten wir alte Transportkisten, wie man gut sehen kann. Im Moment sind die Kisten erst an der Seitenwand befestigt und können noch vertikal verdreht werden, auch eine Scherbewegung in Fahrtrichtung ist möglich.

 

Die Querwände sind mit Rahmen verstärkt, welche auch als Anschraubpunkte dienen. Wo immer möglich verwendeten wir Metallwinkel, der rechte Befestigungspunkt am Heck ist ein Kunstwerk der Improvisation…

 

 

Beide Rahmen sind nun eingebaut. Links kann man die Oeffnung für den Hilift in der Schottwand erkennen, dieser wird in Fahrtrichtung eingeschoben. Der normale Wagenheber befindet sich immer noch in der linken Innenverkleidung.

 

Die rechte Kiste ist nun am Boden fixiert. Dies haben wir gelöst indem wir ein Brett montierten, welches die Scherbeweglichkeit eliminiert und eine gute Möglichkeit für die Befestigung am Boden bietet (eine massive Inbusschraube von unten in eine Senkmutter geschraubt, welche wir übrigens überall verwendeten an den Aussenwänden der Kisten).

 

Der Wasserkanister passt genau zwischen die Kisten während der Fahrt. Im schlimmsten Fall kann man da sogar ganz legal Diesel reinfüllen ;-)

 

 

Die Kisten im ausgebauten Zustand, immer noch ohne Deckel. Die Anhängerkupplung ist mittlerweile auch abgeschraubt, die brauchten wir auf der Reise nicht.

 

 

Nun sind die Innenverkleidungen bearbeitet mit der Stichsäge, was den Stauraum enorm erweitert. Beide Kisten sind fest montiert, und die letzten Querstreben zur Versteifung und Abstützung der Deckel sind auch schon dran. Für die Lautsprecher mussten wir die Halterungen anfräsen…

 

Die Halterungslatten rechts und links werden übrigens ein Teil der Oberseite werden, damit wir die Deckel direkt daran anschrauben können und den nötigen Abstand zu den Seitenwänden haben. Ausserdem haben wir wandseitig kleine Bretter als Abstützung für die Deckel angeschraubt, damit die Scharniere nicht belastet werden wenn man auf den Kisten sitzt.

 

Damit die Deckel überhaupt geöffnet werden können müssen diese kürzer als die Kisten sein, damit sie an der Sitzbank vorbei kommen. Die Lösung lässt sich schon erahnen…

 


 

Das Endprodukt

 

 

Der fertige Einbau. Die zwei Plastikkisten sind natürlich optional, aber sie passen sehr schön rein. Sie dienen als Küchen- respektive Werkzeugkisten.

 

Auf diesem Bild kann man sehr schön die zwei „Blinddeckel" hinter der Sitzbank erkennen, welche nötig sind um die Kisten überhaupt öffnen zu können.

 

Als Scharniere dienen Klavierbänder.

 

Die linke Kiste ist abgeschrägt, damit man einfacher einsteigen kann wenn nur die linke Tür geöffnet wird.

 

Am Boden liegt die Platte, welche als Liegefläche dient.

 

Das Problem der zufallenden Deckel wurde automatisch gelöst von den Toyota-Ingenieuren: Die Rücksitzgurte halten diese offen.

 

Der Hilift ist auch schon drin, er kann mit einem Gummizug fixiert werden.

 

 

Die Kisten sind nun geschlossen, man erkennt die Klavierbänder. Die zwei Latten neben der linken Kiste werden die mittlere Platte abstützen. Damit diese nicht verrutschen, sind sie eingesägt, und sie passen genau in die entsprechenden Nuten an den inneren Seitenwänden.

 

 

Die Stützlatten sind eingesetzt. Diese können auch als Ladefixierung gegen Verrutschen dienen. Es müssten noch Riegel für die Deckel montiert werden, da muss ich mir noch was einfallen lassen.

 

 

Die fertige Liegefläche. Wie wir festgestellt haben, schläft es sich perfekt auf der umgeklappten Sitzbank, das Auto kann sogar ein wenig nach unten geneigt sein ohne dass einem das Blut in den Kopf rauscht.

 

Der einzige Nachteil: Die Kisten müssten etwa 1.5-2cm niedriger sein, denn jetzt hat es eine kleine Kante zwischen Kiste und Sitzbank, auch die Lautsprecher hätten dann Platz gehabt…

 

Man kann vier gleich grosse Matrazen machen lassen (dies taten wir auch in Indien, diese sind jedoch nass geworden und sind nun unbrauchbar). Zwei bedecken die Kisten, eine die Rücksitzbank, und eine kommt in die Mitte. Alles passt perfekt.

 

Beim Sitzen kann man sie als Polster und Rücklehnen für die „Sofas" verwenden.

 

 

Unsere Lösung in Kirgysztan. Zelten ist halt schon schön, zwei Personen schliefen im Auto. Auf dem Dach haben wir eine wacklige Hilfskonstruktion, mit der man notfalls auch das Zelt auf dem Dach aufstellen könnte. Diese ist zweiteilig und benutzt die vordere Hälfte des Dachträgers. Die zweite Hälfte reicht bis über die Stossstange, an der sie dann auch mittels Metallrohren abgestützt ist. Wenn sich jemand dafür interessiert, kann ich später Zeichnungen und Photos schicken. Aber wirklich überzeugt hat uns diese Methode nicht; wir schliefen immer auf dem festen Boden. Vielleicht könnte man die Konstruktion mit Europäischen Schweissern und besserem Holz machen, dann dürfte sie solider sein.

 

 

Auch in Kirgysztan, ein Vordach ist einfach mit Militärblachen gemacht, beliebig modular vergrösserbar! Und billig.

 

Die ganze Konstruktion hat mich nichts gekostet dank meinem Mentor/Mäzen Walter. Wenn man die Materialien kauft wird’s aber auch nicht besonders teuer, vor allem da man nicht das stabilste Holz kaufen muss dank den Verstärkungen. Und leicht ists auch.

 

Euer Matthias

 
In Kooperation mit

Das Buschtaxi-Treffen 2010 vom 10.-12. September 2010!
Abenteuer Allrad in Bad Kissingen - 03.-06. Juni 2010 - Besucht den Buschtaxi-Stand in der Mitte der Messe!
 
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