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35er auf dem KJ70

Text und Fotos: Stefan Kubens

 

Landcruiser-Conversion von Yokohama Geolandar A/T 31x10,5R15 auf Mickey Thompson/Dick Cepek Radial F-C II 35x12,5R15

 

Das Fahrzeug ist ein technisch relativ gut erhaltener KZJ70 (EZ:1995) mit dem im Forum so vielgescholtenen 3,0 Turbodieselmotor. Der Motor geht ab wie Schmidts Katze und macht echt Freude!

 

35"-Rad in Originalkarosserie, vor Kotflügelverbreiterung, Bodylift und Blecharbeiten (nur mal so zum Größenvergleich).

 

6,5 cm-Passstück zur Anhebung der Karosserie

 

Die Achsaufhängung nach dem Umbau. Stoßdämpfer und Lager des Stabilisators werden durch Zwischenstücke verlängert. Am oberen Bildrand ist bereits die montierte Kotflügelverbreiterung sichtbar.

 

Die Befestigungspunkte der Vorderachsstreben am Rahmen werden durch 3 aufgeschweißte Stahlplatten herabgesetzt. Am rechten Bildrand sieht man das Zwischenstück des rechten Stabi-Lagers.

 

Die Originalbereifung auf der bereits geänderten Hinterachse. Der 31"-Reifen erinnert hier eher an ein Stützrad. Kotflügelverbreiterung hinten rechts mit der Aussparung für den Tankdeckel.

 

Die Befestigungspunkte der Hinterachsstreben am Rahmen werden ebenfalls durch ein zusammengeschweißtes Stahlprofil herabgesetzt.

 

Der Umbau wurde von Fjallasport (www.fjallasport.is) in Reykjavik durchgeführt. Die Mickey Thompson Reifen sind auf Stahlfelgen montiert und meiner Meinung nach ein ganz guter Kompromiss aus einer g`scheiten Optik und alltagstauglichen Laufeigenschaften. Zum kompletten Umbau gehört neben den Karosseriearbeiten noch die Anpassung des Tachometers, eine Vorführung beim isländischen TÜV (ohne Feuerlöscher gibt es übrigens keine Plakette) und eine spezielle Off-Road-Registrierung. Deutsche Landcruiser und Hiluxe wurden in Reykjavik auch schon modifiziert. Die „modified lcs" können auch in D zugelassen werden. Ein umgebauter deutscher Hilux (Nummernschild nur sehr vage in Erinnerung, ich glaube es war Do/Dortmund) von fjallasport ist mir erst vor ein paar Tagen im Hochland begegnet. Es gibt mehrere Anbieter für Landcruiser- oder Hiluxumbauten in Island. Arctic Trucks und Fjallasport sind die beiden größten.

 

Kleine Anmerkung zum isländischen TÜV. Die Jungs sind mindestens genauso korrekt und pingelig wie ihre deutschen Kollegen. Das isländische Regelwerk und die Prüfanweisungen entsprechen nach „Hörensagen" den deutschen Anweisungen, sie wurden 1 zu 1 aus dem Deutschen übersetzt.

 

Die Fahreigenschaften haben sich nicht merklich geändert, der Geradeauslauf ist subjektiv gleich geblieben. Die Sitzposition ist jetzt ca. 12cm höher. Das Abrollgeräusch der Reifen ist bis 50 km/h etwas kräftiger, danach überwiegen eh die Windgeräusche. An der Übersetzung wurde nichts geändert. Bis 35" (so das Statement bei fjallsport) ist der nachteilige Einfluss der größeren Reifen auf Beschleunigung und Arbeitsbereich des Motors aufgrund der serienmäßig kurzen Übersetzung bei diesem Modell noch zu vernachlässigen. Zum Verbrauch: nach 2500 km mit Umbau ein Mittel aus ca. 12,0 L/100 km, vor Umbau ca. 11,5 L/100 km.

 

Auf Runningboards habe ich verzichtet, der Aufpreis war es mir einfach nicht wert und bei 35" kann man als 2 m Mensch noch ganz bequem einsteigen.

 

Der ganze Umbaufirlefanz macht natürlich nur Sinn wenn man die gewonnene Bodenfreiheit auch in einer entsprechenden Landschaft nutzen kann.

 

Und noch viel wichtiger ist die Einstellung der Einheimischen dazu, recht pragmatische Leute sind das hier. Off-Roaden ist hier kein Reizthema weil es für viele zum Alltag gehört. Anbei noch ne kleine Reisestory von einer Hochlandtour mit dem umgebauten Toyota. Vielleicht erschließt sich dann besser das Thema „Modified car in Iceland", hab einfach mal ne Mail reinkopiert.

 

"...der nächste Morgen hielt ein paar Überraschungen parat, mein rechter Hinterreifen war fast platt (8 psi) und der Auspuff war an einer heiklen Stelle gerissen. Das Rohr war direkt nach dem Flexstück gerissen und nach wenigen Kilometern lose, der Turbolader hatte jetzt 0,5 m Auspuffkragarm und das Flexstück zu tragen. Wir sind dann erst mal mit Schleichfahrt nach Hella zurück und haben unser Glück beim nächsten Toyota-Schild versucht. Ein kompetenter Isländer hat uns Sonntag morgen in Rekordzeit den Auspuff geschweißt und auch noch den Reifen geflickt (Holzschraube eingefahren). Es war ja immerhin ein neuer 35" Reifen. Die Rechnung von 2000 Kronen (ca. 25 Euro) bar auf die Hand, ist für isländische Verhältnisse auch recht bescheiden ausgefallen. Etwas verspätet sind wir dann um 12.00 Uhr die Hochlandpiste F26/Sprengisandur angegangen. Es war schon heftig, ca. 300 km nur Gravel Road und Schotterpiste mit ein paar Flussdurchfahrten durch wüstenähnliche und sehr beeindruckende Landschaft. Nach ca. 7 Stunden hatten wir es geschafft, letztes verfügbares Quartier in Reykjalid am Myvath-See bekommen und dann noch mal kurz zum Feierabendbierchen in die "Grüne Lagune" gesprungen. And again, Island ist zur Zeit eine deutsche Kolonie, viele Jeeps, 4x4 LKW und höllisch viele Flug-/Bustouris aus Festlandgermanien. Am nächsten Morgen weiter über die F88 zur Askja. Waren zwar nur 100 km F-Road, die hatten es dafür aber in sich. Die erste Flussquerung verlief noch problemlos, doch dann kamen uns bereits die ersten Leih-Jimnys entgegen. Es war eigentlich noch zu früh für Gegenverkehr aus dem Hochland. Wir haben einen Jimny angehalten und gefragt was denn "da vorne" los sei. Eine Französin sagte etwas von "impossible" und "glacier river". Wir sind einfach mal weiter gefahren und haben dabei einen uns entgegenkommenden Australier auf einem Mountainbike interviewt. Der meinte, es wären schon zwei Autos im Fluss abgesoffen, er sagte dann aber auch noch die magischen Worte "....but with your car no problem" -> also weiter. Der Fluss sah dann auch wirklich nicht gerade vertrauenerweckend aus. Ein Gletscherfluss, der wegen des tollen/sonnigen Wetters auch noch zu viel Wasser führte. Gletscherflüsse haben dreckigbraunes Wasser, das Flussbett ist daher nicht erkennbar. No risk - no fun und rein ins Vergnügen (natürlich mit low drive, 4x4 und erstem Gang). Auf der gegenüberliegenden Flussseite standen bereits die geborgenen Fahrzeuge der unglücklichen Vorgänger. Ein Mitsubishi-Van mit Hänger, der nicht hoch genug war und irgend ein anderer Geländewagen. Alle Fahrzeuge gehörten zu einer Off-Road-Gruppe aus Schweden, daher die vielen Schaulustigen auf der anderen Seite. Es war dann schon etwas verdächtig, als wir von zahlreichen Videocams und Digicams beobachtet wurden, wohl in der Hoffnung dass hier der nächste Unglückliche stecken bleibt. Der Snowball/Toyo hat sich trotz Wasser bis zur Motorhaube gut gehalten und den halben Fluss mit ans andere Ufer genommen. Ein hinter uns fahrender Italiener (mit Family!) in einem nicht umgebauten Landrover Defender 110 –jedoch mit Schnorchel- hatte das Wasser bis zur Frontscheibe schwappen, leichte Panikattacke gefällig?!

 

Irgendwann waren wir dann auch an der Askja, dort ein schnelles heißes Bad auf 1500 m Höhe im Kratersee „Viti" der ca. 30-40 Grad hat. Und jetzt ab die Post zur nächsten Flussquerung, der Vulkan kann ja jeden Moment wieder ausbrechen."

 

Ein Hinweis: Wer das erste mal etwas unsicher vor einem „richtigen Fluss" steht und die Brücke einfach nicht zu sehen ist, weil es sie nicht gibt, wartet auf ein zweites Fahrzeug. Isländische Cracks kennen sich i.d.R. gut aus und helfen auch bei der Flussquerung durch Vorausfahren oder Einweisung vom anderen Ufer aus. Der gern gemachte und klassische Tourifehler („..dahoam fahr mer a Geländewagen.."): mit 40 km/h (zurücksetzen und Anlauf nehmen, aber klaro!!) und einem Honda CRV an der tiefsten Stelle ins Wasser.

 

Ein Bild wie aus der Toyotawerbung. Links: der frisch umgebaute 95er LC. Mitte: ein für 38"-Reifen modifizierter, jedoch auf 35"-Reifen stehender Hilux. Rechts: ein nagelneuer LC vor strahlend blauem Himmel.

 

Nochmal Toyotawerbung pur, an der Hinterachse des Hilux geht’s sogar bis 38"

 

Islandpferde am Beginn des Sprengisandur

 

Japanese donkey/Toyota am Beginn des Sprengisandur

 
In Kooperation mit

Das Buschtaxi-Treffen 2008 vom 05.-07. September 2008!
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