Der KDJ120 - ein kurzer Fahrbericht
Das Toyota Event zur Markteinführung des Landcruiser J12
Kleiner Vorgeschmack gefällig...?"Kleiner Vorgeschmack" deshalb, weil ein ausführlicher, langer, keine Wünsche offen lassender Test-, Fahr- und Fühlbericht noch folgen wird. Deshalb hier ein kurzer Einblick in das Event - und natürlich die ersten Eindrücke des neuen J12...!
Zu einer offiziellen Markteinführung gehört natürlich auch immer ein ordentliches "Kundenevent" - und die Leute von Toyota haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die "Location" ist einmalig: Der Gräfliche Landsitz Hardenberg mit angeschlossenem Schloßrestaurant, Burghotel, Kornbrennerei, Eisbahn und viel Ambiente ist ideal dafür. Ideal ist auch der gräfliche Wald, in dem die Offroad-Sektion liegt. Und natürlich ist für das leibliche Wohl gesorgt: In der "Keilerschänke" wurde der 1. Stock für das Event reserviert und hier gibt´s Frühstück, Kaffee und Kuchen, Mittagessen und Getränke. Wer noch ein wenig Zeit hat, sollte sich einen Rundgang durch den Park nicht entgehen lassen: Schöne weitläufige Anlagen und viele Skulpturen laden zum Verweilen ein. Und die Hubschrauberrundflüge gibt´s ja auch noch...
Aber deswegen sind wir ja nicht hier...zumindest nicht vornehmlich. Wenden wir uns also dem eigentlichen Hauptdarsteller dieser Veranstaltung zu: Dem neuen Landcruiser.
Und da stehen sie nun: Aufgereiht im Hof, dicht an dicht - 20 nagelneue KDJ120, frisch vom Band und größtenteils (zumindest die, die ich gefahren habe) mit gerade mal 20 Kilometern auf dem Tacho (zumindest bis ich sie gefahren hatte...). Geboten werden ausschließlich lange Modelle der bedieselten "Executive"-Version - also das Topmodell mit integriertem Navigationssystem und allem drum und dran. Ein kurzes Modell steht in der Anmeldung, ein neuer 100er (die überarbeitete Version) im Zelt im Innenhof des Gehöftes, neben einem RAV4. Wenn auch die Modellauswahl ein wenig beschränkt ist - die Farbauswahl ist reichhaltig...
Die Veranstaltung an sich ist dreigeteilt: Nach einer fundierten technischen Einweisung in die Grundsätze der Allrad- und Offroadtechnik und vor allem in die technischen Feinheiten des neuen Landcruiser besteigt man am besten zuerst eines der bereitstehen Fahrzeuge und bereitet die Offroad-Sektion - danach gibt es dann eine ausführliche Probefahrt on the road. Oder umgekehrt, wie in meinem Falle...
ONROAD
Also auf geht´s - vom Kaffe ging´s zuerst mal schnurstracks zu den sauber aufgereihten Fahrzeugen für den Straßentest. Die Auswahl ist groß - solange man einen langen Diesel nimmt...

Nun ja - von außen ist es ja keine Überraschung. Immerhin gab´s schon genügend Fotomaterial im Voraus. Als ich jedoch jetzt so direkt davor stand, gefiel mir das Design immer besser - modern, zeitgerecht und sehr gefällig. Als ich einsteige, fällt mir eines zuerst auf: Der Eindruck absoluter Solidität. Es ist ein Toyota, es ist ein Landcruiser - man hat vom Start weg einen hervorragenden Eindruck von dem Fahrzeug. Die Spaltmaße sind beeindruckend, die Tür schließt satt und dumpf, die Sitze sind bequem, die Innenausstattung modern, edel, hervorragend verarbeitet und ohne Schnickschnack. Alles ist da, wo es hingehört - alles läßt sich leicht erreichen. Der Wählhebel für die Automatik liegt wunderbar in der Hand und läßt sich mit dem perfekten Widerstand durchziehen. Kein umständliches Knopfdrücken (wie im J10), kein "Überschalten" durch die versetzte Anordnung (ähnlich Mercedes-Benz).

Ich starte den Motor und höre nichts neues - der 1KD-FTV werkelt wie schon im J9 in aller Ruhe unter der Haube. Ich schaue mich noch ein wenig um und fühle mich auf Anhieb wohl - gemütlich, schön, bequem, gediegen, nicht überladen, sinnvoll.

Was trotz seiner Größe im Grunde genommen nicht sofort ins Auge sticht, ist das große TFT-Display des Navigationssystems, was irgendwie in die Konsole eingesetzt ist, als wäre es schon immer da drin gewesen und als gehörte an diese Stelle auch überhaupt nichts anderes hin. Es ist alles so perfekt platziert, daß es einem im ersten Moment garnicht groß auffällt. Die Knöpfe schalten sich mit der perfekten Rückmeldung, die Schalter lassen sich leicht bedienen, alles ist einwandfrei erreichbar, die Klappen der Mittelkonsole schließen satt und ohne klappern, der Auszug für die Getränke wirkt annehmbar solide. Nichts, das in diesem Moment mein Mißfallen erregt - und das ist durchaus eine Leistung...
Ich rücke kurz den Sitz zurecht (durch Drücken des entsprechenden Schalters links neben der Sitzfläche), stelle schonmal den Zielpunkt Parkplatz ein (nämlich da, wo ich gerade stehe) und fahre los. Zuerst ein wenig über die Landstraßen, Kurven, Beschleunigen, Bremsen, Ausweichen - das übliche. Der J12 reagiert wie erwartet: Gelassen und ruhig, stark im Antritt und mit vollkommen ausreichenden Fahrleistungen. Auf den ersten Blick sehr gut beherrschbar und das übliche Gefühl der Ruhe vermittelnd.
Ähnliches auf der Autobahn: Die Beschleunigung ist wie erwartet hervorragend, keinerlei Windgeräusche, sehr moderate Motorgeräusche, im nu bin ich auf 140 und diesele so gemütlich vor mich hin. 160 sind auf ebener Strecke kein Problem - bergab waren 180 drin, jedoch sind die Fahrzeuge ja noch nicht eingefahren. Zwischendrin drücke ich auf den Knopf meines navigatorisch begabten Begleiters und höre mir an, was er zu sagen hat. Erstmal nämlich nix. Ich schalte das Radio an und gleite durch die Lande. Kurz vor der nächsten Ausfahrt erinnert mich eine freundliche weibliche Stimme daran, doch bitte in 400 Metern rauszufahren. Ich höre den Song im Radio, sehe die Sonne scheinen - ein herrlicher Tag. Und so fahre ich in aller Ruhe an der Ausfahrt vorbei, als die Stimme mich noch einmal bittet, hier doch bitte rauszufahren. Ein geradezu befreiendes Gefühl...

Ich schaue auf das Display, sehe kurz den status bar - und schon ist die neue Route fertig. Das war aber fix! Die Stimme meldet sich und schlägt vor, doch einfach auf dieser Autobahn noch 2 km weiterzufahren. Der Vorschlag gefällt mir und ich mache also keinen U-Turn... Auf dem Display sehe ich die nächste Ausfahrt, die Entfernung, die nächsten 3 Wegpunkte. Kurz davor wird mir sogar noch grafisch eine Ausfahrt dargestellt - herzallerliebst. Damit ich sie auch gleich erkenne...ich fahre vorbei.
Und so ging das ein ganze Weile - bis ich mich entschloß, den freundlichen Anweisungen zu folgen, die mich zurück auf den Parkplatz führen sollten. Was sie dann auch zuverlässig taten. Nichts konnte diese Software aus der Ruhe bringen: Kein Feldweg, keine Wiese, kein mehrfach durchfahrener Kreisel. Das Teil ist wirklich ultraschnell!
Kurz vor dem Ziel fahre ich noch einmal kurz von der Straße und schaue mir in aller Ruhe die hinteren Sitzreihen an - in der Executive-Version sind das 2 Stück, was im ganzen 8 Plätze macht. Die Hecktür ist wahrlich gigangtisch und schwenkt bereitwillig auf. Die Klappmechanismen für die letzte Reihe ist solide und funktioniell: Zuerst die Lehnen nach vorne, dann die Sitze nach links und rechts an die Fenster. Die Befestigungen kann man rausziehen, nachdem man die Stützfüße reingeklappt hat und haken einwandfrei ein. Keine Fummelei, keine abgebrochenen Fingernägel...wunderbar...

Die nächste Sitzreihe genauso: Nachdem alles beiseite geräumt ist, hat man wahrlich ausreichend Stauraum.
Also wird alles wieder zurückgeklappt, gesichert und innerhalb von ein paar Sekunden sitze ich wieder am Steuer und bin auf dem Rückweg - wo ich mich schnurstracks Richtung Offroad-Sektion begebe...
OFFROAD
Natürlich ist das hier keine Trial-Veranstaltung - soll es ja auch gar nicht sein. Und natürlich hat man nicht die Möglichkeit, die Kisten bis zum Fensterrahmen zu versenken... Aber die Strecke ist gut gewählt: Steilauffahrten, Kehren, Abfahrten, Verschränkungen, Schrägfahrten - es reicht aus, um das grundsätzliche Fahrverhalten ein wenig kennenzulernen, die technischen Helferlein, das Zusammenspiel von Automatik und Motor, die Übersicht.

Und ich muß sagen: Der erste Eindruck ist - wie ich es auf der Straße erlebt hatte - gut. Permanenter Allrad, Untersetzung, Motor - das alles harmoniert bei niedrigen Geschwindigkeiten und unter Last ganz prächtig. Lediglich die Automatik könnte ein wenig weicher schalten - aber ein wenig ruppiges Schalten ist nun wirklich kein Wunder in der Untersetzung. Ansonsten läßt sich der Wagen wunderbar dirigieren: Die Lenkung ist herrlich direkt, das Gas gut zu kontrollieren, die Übersicht wunderbar.
So fahre ich also gemütlich die erste Steigung an - Zeit, die zahlreichen neuen Erfindungen zu testen... Fangen wir doch mit der "HAC" an - der "Berganfahr-Kontrolle". Ich nehme den Fuß vom Gas, trete auf die Bremse und stehe. Dann gehe ich von der Bremse und tu mal so, als würde ich das Gaspedal suchen und nicht finden. Jedes andere Automatik-Gefährt würde sofort anfangen, zurückzurollen. Und jetzt kommt HAC ins Spiel: Der J12 rollt eben nicht zurück - er steht. Und es piept. Und es blinkt im Armaturenbrett: die HAC-Leuchte zeigt, daß da was passiert. HAC hält den Wagen also an der Steigung. Nicht perfekt - je nach Winkel rollt er immer noch ein klein wenig - aber es reicht, um die Schärfe aus der Situation zu nehmen. Man kann in aller Ruhe von der Bremse und kontrolliert wieder aufs Gas steigen. Nach 5 Sekunden ist der Spaß übrigens vorbei: HAC gibt den Wagen wieder frei.
Nächstes Spielchen: Ich fahre eine Steigung runter. Zuerst normal, Untersetzung, Stufe "D". Der Wagen wird schneller - welch Überraschung...
Zeit für "DAC" - die elektronische "Bergabfahr-Kontrolle", welche mittels Druck auf den mittelkonsolig liegenden Schalter aktiviert wird ("mittelkonsolig" - welch überragende Wortschöpfung...). Also nochmal von vorne das ganze. Ich drücke den DAC-Schalter und gebe die Bremse wieder frei. Der Wagen wird schneller - bis bei ca. 3 km/h plötzlich ein Rattergeräusch aufkommt und die Geschwindigkeit gehalten wird. Die Räder werden also selektiv gebremst, die Abfahrt kontrolliert. Man kann sich zurücklehnen, den Rest erledigt die Elektronik.
Das alles ist natürlich mitnichten für den Trial-Einsatz gebaut - wer in heftiges Gelände fährt, der möchte den Wagen direkt kontrollieren, ohne kleine und unbemerkt eingreifende Helferlein. Man hat es an meinem Fahrstil die ersten Minuten gemerkt: Ich fuhr wie der erste Mensch auf Gottes Erdboden. Das lag schlicht und ergreifend daran, daß ich immer genau in dem Moment, in dem sich einer der Helfer eingeschaltet hat, grundsätzlich was anderes machen wollte. Ergebnis war eine recht ruckelige Fahrt...
Wer jedoch keine große Gelände-Erfahrung hat, wird dankbar sein. Vorausgesetzt, man schaltet bei Einstieg in das Fahrzeug nicht das Gehirn aus, ist die elektronisch unterstützte Fahrt durchaus eine angenehme und definitiv ein Sicherheitsgewinn. Das fängt bei der Traktionskontrolle an (die - und glaubt mir, ich habe es ausgiebig getestet... - den Wagen auch bei wildesten Beschleunigungsmanövern auf einseitig oder beidseitig glattem Untergrund in der Spur hält), geht über den geradezu zart reagierenden Wandler bis hin zu eben DAC oder HAC. Das alles macht keineswegs den Eindruck der neuen und unnötigen Spielerei, sondern erscheint solide und ausgereift.

Die kleine eingebaute Schleife im Wald zeigt ein wenig die Serien-Verschränkung und geht bis kurz vor Grundberührung...was zugegebenermaßen im Falle der Heckstoßstange nicht wirklich weit ist. Aber das ließe sich ja ändern...
Der Wendekreis hingegen läßt ein wenig zu wünschen übrig.
Der Parcours dauert bei normaler Fahrt und ausgiebigem Ausprobieren an den Steigungen ca. 15 - 20 Minuten, wobei ein Instruktor daneben sitzt.
FAZIT
Der J12 ist definitiv ein Landcruiser - daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Mehr dazu - zum warum, wieso und was man alles darüber sagen könnte - gibt es im nächsten Teil: Dem ausführlichen Fahrbericht (fragt mich jetzt aber nicht, wann der folgen wird...).
Bis dahin sei soviel gesagt: Wenn Ihr eine Einladung habt, nehmt sie beruhigt wahr. Das Event ist gut vorbereitet und macht Spaß. Und Mütze, Schlüsselband und -Anhänger und Prospekte gibt´s auch noch...
Wer eine richtig lange Strecke vor sich hat und es noch abwarten kann, der wird jedoch auch nicht daran zugrunde gehen, wenn er nicht kommt und sich den neuen Landcruiser dann in aller Ruhe beim Händler seines Vertrauens anschaut. Der erste Tag war recht schwach besucht, vielfach standen die Fahrzeuge nahezu ungenutzt da. Das wird sich ändern - besonders an den Wochenenden wird es wohl voller. Und dann kann es durchaus passieren, daß man nicht alleine im Auto sitzt. Was ja - sind wir mal ehrlich - nun auch kein Beinbruch wäre...
Ich für meinen Teil hatte einen sehr schönen Tag dort - und ich denke, Euch wird es genauso ergehen!
Euer Netzmeister




