| 2007-03-12 | ||
| Live-Special: Höhenweltrekord 2007 | ||
| Tagesbericht vom 11. März | ||
Der alte Weltrekordpunkt ist erreicht!
Ein harter Tag / ein guter Tag / ein erschöpftes Team
Wecken war um 5 Uhr morgens. Um 6.30 Uhr bei rund minus 15° C starteten wir unsere Anfahrt zum Trackeinstieg und gegen 8 Uhr begannen wir den Aufstieg zu den Rekordfahrzeugen auf 6120m.
Wir waren mit dem ganzen Team unterwegs und jeder kämpfte sich auf die "Parkplatzhöhe". Dann ging es los. Von 6120 m manövrierten wir teils zentimeterweise zunächst einen steilen Felshang hinunter, der direkt in einen von Gletscherwasser gespeisten "schrägen" See mündet. Die Überwindung des Hochsees ist wie die Felsrinne ein Schlüssel zum Erfolg. Wer den See nicht überwindet, kann nicht in das Hochplateau einfahren. Und das Hochplateu ist der einzige Weg zum Gletscher auf 6300 m, der in die Flanke zum Krater führt. In 2005 hatte ich noch Bedenken, aber der See hatte heute für uns ganz andere heftige Schwierigkeiten parat. Bis zur Hälfte war das Eis teilweise aufgebrochen und weich. Wir konnten praktisch immer bis auf den Grund durchbrechen und kamen so bis etwa zur Mitte des Sees. Der See an sich ist an seiner tiefsten Stelle zwar nur rund 1,5 m tief aber enorm tückisch, da schräg abfallend. Das Problem, das wir heute hatten, war eine spiegelglatte schräge Eisfläche über ca. 100 m. Es war ohne Eisspikes an den Schuhen nicht möglich, die Fläche zu queren, geschweige denn mit den Fahrzeugen.
– Einschub- : ich wurde heute von meiner Frau, während eines Satellitentelefonates gefragt, ob die Jeep® Wrangler Unlimited wirklich so gut seien wie ich diese beschreiben würde und ich antwortete ein klares JA. Wir haben etliche Journalisten dabei, Fernsehteams und Teilnehmer, die allesamt fasziniert sind von der Leistung der Wagen – mich eingeschlossen.
Aber an dieser Eisfläche beißen sich auch alle Sperren und noch so gute Reifen die Zähne aus. Null Gripp und Halt ist null Gripp und Halt.
Also schickten wir ein Rangerteam mit Eisspikes auf die andere Seite der Eisfläche und ließen zwei Eisanker in die Erde rammen. An diese Anker hängte ich dann mein Rekordfahrzeug (F1) mit meiner vorderen Winde und Dieter hängte seine Winde in meine hintere Windenaufnahme.
So ergaben sich folgende Vorteile: Dieter sicherte mit seinem Jeep® (F2) meinen F1 gegen starkes Abdriften und gegen Totalverlust, sollten die Eisanker nicht halten. Denn dann hätte ich mich nur noch mit einem Sprung aus dem Wagen retten können und F1 wäre verloren gewesen. Doch so winchte ich mich mit der Powerplant von Warn über die Eisfläche. Sehr spannend, aber es funktionierte. Ok F1 war drüben, jetzt kam F2. Zwischen F1 und F2 waren nun Seilwinden, Kabel und Berggurte von rund 70 m gespannt, da ich F1 in einem Wassergraben verkeilt hatte. Dann wurde es spektakulär: Als Dieter begann F2 auf die Eisfläche zu winchen, driftete der Wagen sofort ab (wir hatten ja keine hintere Sicherung für F2). Ich sah was passierte und gab Vollgas. Nun hing F2 heftig rutschend an rund 70m Seil, quer zur Schräge driftend, und ich schoss vorwärts. Durch das Vorwärtsfahren konnte die Beschleunigung von F2 bergab abgefangen werden und das Fahrzeug "schleuderte" von der Eisfläche "an Land". Holiday on ice hätte nicht spektakulärer fürs Fernsehen produzieren können. Genial.
Ein anders Thema wird sicherlich die Frage sein, wie wir wieder zurückkommen. Aber egal, erstmal weiter Richtung Rekord und das ging heute richtig voran. Lustig war, dass just an einer sehr steilen Stelle (ca. 6100 m), die wir zu meistern hatten, die Fahrzeugelektronik zu Protokoll gab, dass es so nicht weiter gehen könne.
Genauer gesagt, wurden wir auf Sauerstoffmangel hingewiesen, indem die Steuerelektronik ins Notlaufprogramm schaltete.
Wie mit einem Kumpel sprach ich F1 an, ob sonst alles klar sei, denn schließlich gab es den Sauerstoffmangel ja schon seit Tagen. Offensichtlich dachten die kleinen Moleküle im Steuerstand das Gleiche und erklärten sich bereit nach einem Maschinenneustart die Sauerstoffprolematik ad akta zu legen. Wir hatten wieder volle Leistung.
Ab dem Gletschersee fuhren wir auf meinem alten Track bis zu den Felsplatten. Ich entschied mich jedoch diesmal nicht diese Platten hoch zu fahren, sondern einen neuen Weg rechts der Hügelkette zu versuchen. Und es war die richtige Entscheidung. Wir kamen nach einem Büßereisfeld (an dessen Rand wir uns vortasteten) in eine Senke, aus der wir schräg in einen Hang einfahren konnten. Dieser Hang – wir waren bereits auf 6200 m - endete auf einem kleinen Plateau (6300 m). Das Geniale dabei: es markierte die Rückseite des alten Weltrekordhügels. Geil.
Jetzt hieß es mit beiden Fahrzeugen noch Vollgas durch ein Schneefeld und rauf auf 6358 m. Wir hatten es geschafft. Zum ersten mal in der Geschichte stehen zwei Serienfahrzeuge in einer Höhe von 6358 m. Eine Höhe, die niemals zuvor von zwei Fahrzeugen mit Serienausstattung erreicht worden ist. Dieser Punkt markiert für uns gleichzeitig den Einstieg in das Gletscherfeld und wird unser Ausgangspunkt am Dienstag sein.
Da das Team nach dieser Leistung sehr erschöpft ist – alleine der Abstieg dauerte wieder mehre Stunden. Aus diesem Grund werden wir morgen einen Ruhetag einlagen. Es wird spannend, da das Gletscherfeld stark rissig ist, was wir bei einer ersten Begehung heute feststellen konnten. Auf die Reifen wird eine enorme Aufgabe zukommen. Redaktion: |
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