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2006-04-23
Live-Special: Bina & Jochen in Afrika
Bina und Jochen in Afrika: Teil 9

Nairobi!

Hallo, ihr Lieben!

 

Da wir nun schon zweieinhalb Wochen hier in Nairobi sind, der Strom von außen schön kräftig ist und wir Muße haben, schreib ich doch mal wieder, wie wir hierhergekommen sind!

 

So, wie wir uns das vorgenommen hatten, ließen wir es ziemlich knallen nach Nordosten hinauf nach Ostafrika. Ab Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, wählten wir dieses Mal die "Great North Road", auf der "Runterfahrt" hatten wir die "Great South Road" von Ost nach West benutzt. Wenn ihr euch jetzt eine "große Straße" vorstellt, ist das nur bedingt richtig. Für Sambia -oder überhaupt Ost- bis Zentralafrika- sind beide wirklich groß, was aber mit europäischen Maßstäben überhaupt nichts zu tun hat! Es gibt Schlaglöcher, streckenweise ohne Ende, die Ränder sind zum Teil gut angeknabbert und überhaupt ist das Ganze ab und zu ziemlich wellig. Ans Mail-Schreiben unterwegs wie in Südafrika ist nicht zu denken. Irgendjemand gab uns irgendwann einen Spruch dazu: Wenn man die South Road im Dunkeln fährt und einem von Vorne zwei gelbe Punkte entgegenkommen, kann das ein Auto sein, oder aber eine Giraffe, die in einem der Potholes steht! So sieht es aus!

 

Wir kamen aber gut durch, im Norden häuften sich nur die Polizeikontrollen. Wir hatten den Eindruck, dass die Jungs schon immmer ein bisschen enttäuscht waren, wenn sie unsere frisch geklebten weißen Reflektoren auf der Stoßstange sahen, weil sie dann schon damit rechnen mussten, dass wir auch alle anderen Vorschriften erfüllen würden und an Bakschisch nicht zu denken sein würde. So zogen wir der Reihe nach erstes und zweites Warndreieck, Versicherungsnachweis, Erste-Hilfe-Kasten heraus, bis sie echt ein bisschen deprimiert aufgaben und uns nur noch eine gute Reise wünschten. Alle diese Polizisten waren aber freundlich und wohl auch ein bisschen froh, überhaupt was zu tun zu haben. Etwas konsterniert waren sie immer, wenn ich auf die Frage nach dem Wohin grinsend "Germany" sagte. So war die Stimmug von Anfang an gerettet.

 

Einen Abstecher gönnten wir uns in Sambia, zum Tanganjikasee. Auf dem Weg dahin wollten wir ursprünglich das Schlösschen besuchen, das vor Jahren ein Brite dort aufgebaut hatte. Da man aber mal wieder dachte, in Europa pflückt man das Geld von den Bäumen, wollte man p.P. 20US$ haben für eine Besichtigung. Auf solch eine "Abzocke" hatten wir wieder keine Lust, das Schlösschen musste weiterhin ohne unseren Besuch auskommen. So hielt es sich dran, mit unverschämten Forderungen für Campsites, bestehend aus einem Platz, einem Schild am Baum "Campsite" und einem verkommenen stinkenden Toiletten, die die wenigen Gäste umgingen, um in den Busch zu kommen. So suchten wir uns schöne einsame Plätzchen zum Schlafen, wo wir dann nur auf das Schild "Campsite" verzichten mussten. Bei dieser Vorgehensweise trafen wir dann auf ganz liebe, nette Sambier in ihren einfachen Hütten. Obwohl wir nur 20 m von ihrem Domizil wegstanden, kamen sie nicht, um uns zu begaffen und ließen uns einfach in Ruhe. Als wir morgens denn abfahrtfertig waren, gingen wir kurz rüber, um Tschüss zu sagen, was das ältere Paar ganz prima fand und sich mit "Thank you for visiting us" verabschiedeten. Wir gaben ihnen ein bisschen Geld für die Campingnacht, worüber sie sich richtig ausgelassen freuten. Auf jeden Fall war das Geld hier tausendmal besser aufgehoben als bei den "touristischen Betrieben".

 

Am Tanganjikasee denn fanden wir ein wirklich schönes Camp direkt am "Meer" auf großen weißen Kieselsteinen und auch von sehr netten Leuten betrieben. Zwei Probleme gab es allerdings, das erste war die Zufahrt, die ohne Ende von den Regenzeitregen ausgewaschen war, so dass das gute Buschtaxi sein Bein vorne links einmal sogar einen Meter hochheben musste. Die "Fahrt" wurde begleitet von 20 Blagen, die das "Spektakel im Elefantengras" genossen. Als wir endlich ankamen, sagten uns die Besitzer des Camps, es gäbe auch einen Shortcut, der sich am nächsten Tag aber als auch nicht sehr viel besser herausstellte. Das zweite Problem ergab sich bei der Abreise, wir hatten kein passendes Geld und die guten Leute hatten kein Wechselgeld. So bekamen wir einen sehr zünftigen Holzhocker for change.

 

So ging's dann weiter an der Grenze zu Tansania entlang über die berüchtigte Old Stevenson Road zum Grenzübergang. Zu allem Überfluss fing es nachmittags auch noch an zu gießen, als wir durch die elenden Löcher rumpelten. So bewegten wir uns langsam weiter durch Schlamm, Löcher, Gewitter und Dunkelheit, begleitet von meiner - ich muss es zugeben - sehr miesen Laune. Schnupfen hatte ich ganz ordentlich und einfach mal wieder die Faxen dicke. Jo kämpfte uns sehr tapfer weiter.

 

Ich glaube, ich habe noch nie von "schlechten Launen" und ähnlichen Unbilden geschrieben. Hier also jetzt in aller Öffentlichkeit: Es gibt Zeiten auf einer solchen Tour, in denen man sich selbst im Hals steht, in denen man sich gegenseitig auf die Nerven geht und in denen einem das ganze Vorhaben nicht mehr als nur positiv erscheint, um es gelinde auszudrücken! Diese Momente halten sich weiß Gott in Grenzen, aber es gibt sie!!! Ich finde, dass das der Ehrlichkeit halber auch mal übermittelt werden muss! Einen solchen Moment hatte ich also - aber er ging vorbei, als es aufhörte zu regnen und wir zwischen Maisfeldern oben in unserem wunderbaren Bett lagen und Nasentropfen meine Atemwege wieder geöffnet hatten.

 

Der nächste Tag war dem Grenzübertritt nach Tansania und der Strecke nach Nordosten gewidmet. Wieder bezogen wir abends ein "alte Kiste Camp"- die Kisolanza-Farm, was wieder gut tat. Ein Stück zu Haus. Auch die Landschaft ein zweites Mal zu bestaunen, vertiefte die schon einmal gewonnenen Eindrücke. Auf der besagten Farm trafen wir David, der für das neu installierte Restaurant als Manager fungierte. Ein netter Typ, der unbedingt Deutsch lernen wollte! Mein nun schon so lange unterdrücktes "Lehrbedürfnis" schaltete sich ein und wir verbrachten ein paar schöne Deutschstunden! Ich besprach ihm ein Stück auf unserem Diktiergerät, was er wohl dann in den folgenden Wochen fleißig zum Üben nutzte. Das erzählten uns Nathalie und Ansgar hier in Nairobi, die was später auf dem Camp waren und den Unterricht auch fortsetzten!

 

Auch der weitere Weg durch Tansania war sehr angenehm. Dieses Mal fuhren wir nicht mehr oder weniger an der Küste entlang, sondern auf der "Direkten" durch Dodoma von Süd nach Nord. Die Leute, die wir trafen, die an dieser ziemlich schlechten Piste wohnen und nicht so touristengewöhnt sind, wie die an der Hauptroute, waren sehr freundlich, winkten zurück ohne zu betteln und freuten sich anscheinend aufrichtig darüber, dass jemand ihr Land besuchte! Das war für uns eine ganz neue, sehr schöne Erfahrung in Tansania. Der Tourismus in Afrika ist in unseren Augen auch ein echtes Problem, nicht nur ein Segen. Das sagen wir, obwohl wir selbst "Tourismus" sind, das ist uns schon klar! Aber in Afrika Lösungen für diverse Probleme - nicht nur für den Tourismus und seine Auswirkungen - zu finden ist wohl nicht nur eine Lebensaufgabe, manchmal erscheinen uns manche sogar als unlösbar!

 

Darüber zu schreiben würde aber wohl eine eigene mail oder besser sicher ein paar gesprochene Worte erfordern! Also, wen unsere Erfahrungen und spärlichen Lösungsideen in diesen Hinsichten interessieren, wir sind ja irgendwann wieder zu Haus!

 

Erstaunlich fanden wir, dass eine Hauptstadt - auch wenn sie eine afrikanische ist - nur durch eine solch bescheidene Piste auf Rädern zu erreichen ist! Aber ein Flughäfchen gibt es immerhin. Über Arusha, wo wir vergeblich nach Jochens Sandalen Ausschau hielten, die vor Monaten hier zurückgeblieben waren, kamen wir recht flott über die nächste Grenze nach Kenia und nach 2 Stunden rollten wir in den nairobischen Stau ein. So schloss sich denn ein großer Kreis nach ungefähr 6 Monaten!

 

Hier auf dem Overlander-Treffcamp lässt es sich wirklich gut aushalten. Nach ein paar Tagen wurden unsere Pässe per DHL angeliefert, mit jeweils drei wunderbaren Visa versehen! Das Päckchen mit Reiseführern ist immer noch nicht da - mal sehen! Die erste Woche war unserem Buschtaxi gewidmet: neue Öle, neue Bremsbeläge, Radlager nachziehen, Reifen fachmännisch flicken (im Busch hatten wir bei Bedarf nur die roten "Gummiwürmer" benutzt, was aber super funktionierte) und ein bisschen Putzen und Aufräumen. Neue Reifen in unserer Dimension (255 / 85 R16) gibt es hier nicht, was uns schon in Deutschland klar war. Also müssen unsere bis zu Haus weiterarbeiten! Die neuen beiden laufen jetzt auf der Hinterachse, die alten Hinterachsler dürfen sich jetzt als Reserve ausruhen. Die Vorderen machen weiter wie bisher.

 

Nach dieser Woche denn gab es eine riesen Freude, als Kitty und Erika mit ihrer Caroline, einem BJ75, ankamen! Das letzte Mal hatten wir uns in Sambia kurz vor Weihnachten getroffen. Kitty flog zwar nach zwei Tagen, die wir sehr genossen, in die Schweiz zurück, Erika ist mit Caroline noch immer hier. So verbringen wir die Zeit mit Fürsorge für Caroline, leckerem Essen, Shopping(!)- wieder ist die Gelegenheit für Souvenir-Einkäufe günstig, weil sie mit Caroline auf dem Schiff nach Europa reisen können - , Erzählen, Würfeln, Weintrinken usw. Es tut sehr gut, jeden Tag die gleiche Umgebung vorzufinden und alles Erlebte sacken zu lassen! Mit jedem Tag wachsen die Vorfreude auf die nächsten Länder und die Kraft, wieder neue Eindrücke aufnehmen zu können! Das ist schon erstaunlich und eine schöne Erfahrung!

 

Eine weniger schöne Erfahrung in der letzten Woche war, dass Jochen Fieber bekam, das nicht am nächsten Tag wieder weg war, wie sonst schon mal. Es hielt sich so bei gut 38°C und stieg dann auf gut 39 am Abend. War das jetzt Malaria oder nicht? Erika und ich lasen den Beipackzettel unserer Prophylaxe Malarone, lasen im "Wo es keinen Arzt gibt", fragten unseren Campvermieter mitten in der Nacht, was wir am besten tun sollten, während es Jochen oben im Bett schlecht ging. Letzendlich beschlossen wir, den Morgen abzuwarten. Gottseidank war das Fieber am nächsten Morgen immer noch bei gut 38°C und wir fuhren zum "Womens' Hospital". "Gottseidank" deshalb, weil die Erreger wohl am besten während des Fieberschubes zu lokalisieren sind. Im Womens' Hospital konnten sie auch erkennen, ob auch ein Mann Malaria hat - und so war es! Wir fühlten uns gut aufgehoben zwischen all den Babies und Mamas, bekamen ein Medikament verschrieben, von dem wir zwei Packungen nahmen für eventuelle weitere Fälle, dann zur "Notfallselbstbehandlung". Außerdem war wohl eine Erkältung verschleppt und Jo musste auch noch Antibiotika zusätzlich zur Malariabekämpfung nehmen. So verbrachte er die nächsten Tage im Bett, es ging ihm mal besser, mal schlechter. Wie wir auch schon irgendwo gelesen hatten, erwies es sich als hilfreich, dass ich einige Kilo zusammenbringe, weil dem Jochen die beiden Schlafsäcke zu leicht erschienen, um ihn zu wärmen. Als "die Dicke" dann noch oben auf die Schlafsäcke kam, hörte der Schüttelfrost auf. Mein Erfinder sann dann im Fieber noch über eine Steppdecke nach, die man partiell mit Wasser füllen könnte zur erleichternden "Beschwerung" des Patienten. Urplötzlich nach gut 2 1/2 Tagen war es vorbei. Jochen fühlte sich zwar noch nicht zum Bäumeausreißen, schraubte aber schon wieder ein bisschen an Caroline herum, was ein gutes Zeichen war! Jetzt ist er wieder voll hergestellt und wartet auf neue Abenteuer!!! Es ist wohl so, dass die Prophylaxe keinen 100%igen Schutz liefert (natürlich mit langen Klamotten und Moskitonetzen!). Aber sie schwächt die Symptome ordentlich ab, und das ist ja auch was!

 

Erika wird in ein paar Tagen - wie gesagt - zur Küste fahren und Caroline auf ein Schiff nach Europa verfrachten und dann in die Schweiz zurückfliegen. Wir werden uns Äthiopien, den Sudan, Ägypten, Jordanien, Syrien, die Türkei, Bulgarien und Rumänien anschauen und damit der Bärenhöhle und euch allen immer näher kommen. Dafür haben wir noch fast 3 Monate, weil wir Mitte Juli wieder im guten alten Deutschland sein wollen. Am 8.8. werde ich wieder in der Schule sein, bis dahin sollte eine kleine Übergangszeit stattfinden können, damit wir uns ein bisschen von dem bewahren können, was man in Afrika gut lernen kann, z. B. Gelassenheit und Geduld, bei allem, was man so tut! Wir denken, dass uns das im deutschen Alltag nur dienlich sein kann und wollen so viel wie möglich davon bewahren! Fromme Wünsche - mal sehen, ob sich das realsieren lässt!

 

Ja, wieder mal wünschen wir euch alles Liebe und Gute bis zur nächsten mail. Wenn wir wieder da sind, wäre es schön, wenn uns der eine oder andere wiedererkennen würde, trotz kürzerer Haare und einigen zusätzlichen Pfunden (man verfolge die zahlreichen beschriebenen Steakvertilgungen).

 

Bis bald, macht's gut, Bina und Jochen

Redaktion:

Von: Alexander Wohlfarth

 
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