| 2006-03-27 | |
| Live-Special: Bina & Jochen in Afrika | |
| Bina und Jochen in Afrika: Teil 8 | |
Wieder in Sambia... |
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Hallo, ihr Lieben!
Ja, in Windhoek waren wir denn noch 4 oder 5 Tage lang, nicht nur, weil die Hartebeest-Steaks (auf deutsch Kuhantilope) im Trans Kalahari Inn ausgezeichnet schmeckten, sondern auch, weil wir ziemlich lange brauchten, um den Rückweg nach Deutschland zu "erkunden".
Es gab drei Möglichkeiten, wie unsere Tour weitergehen konnte: 1. Das Buschtaxi für 4 oder 5 Wochen auf ein Schiff zu packen, das es dann über Spanien nach Ghana gebracht hätte 2. Alle drei auf ein Schiff nach Spanien und von da aus weiter buschtaxifahrenderweise nach Westafrika 3. buschtaxifahrenderweise über die Ostroute nach Deutschland zurück
Wir entschieden uns denn für Version 3, weil 1. zu langwierig - was hätten wir so lang ohne unser Buschtaxi gemacht? - und kompliziert war (nach Accra in Ghana zu fliegen ist von Windhoek auch nicht so einfach). Die 2. Version fanden wir nicht so gut, weil wir schon fast zu Hause gewesen wären und dann hätten wieder nach Afrika "zurück"fahren müssen. Schöner ist es einfach, sich vorwärts zu bewegen!
Die 3. Version kam mir auch sehr gelegen, weil ich "wegen Überfüllung" schon ein bisschen geschlossen hatte. So können die bisher gewonnenen Eindrücke sich noch ein bisschen fester setzen, weil wir Vieles in Ostafrika ja nun schon kennen und zum 2. Mal erleben. Auch eine Schiffsfahrt hätte ich nicht schlecht gefunden, jeden Tag das blaue Meer, ohne großartige neue Inputs zum Verarbeiten. Jochen sah das ähnlich, obwohl er mehr Verarbeitungskapazität zu haben scheint als ich! Also luden wir aus dem Netz die Visa-Anträge, die wir unterwegs nur schwer zu bekommen glaubten, füllten sie aus (wie ich das liebe!) und gaben sie mitsamt unseren Zweitpässen netten Leuten mit nach Deutschland, die abends nach Berlin flogen. In Deutschland kümmert sich jetzt eine Visa-Beschaffungsfirma um Sudan-, Ägypten- und Syrienvisa.
So konnten wir dann beruhigt nach Norden in Richtung Kaokofeld düsen, wo die Himba leben, ein z.T. noch ursprünglich lebendes Nomadenvolk. Bald kam dann aber wieder eine "Problemmail": Für ein Sudanvisum muss man eine Hotelbuchung über die gesamte Zeit vorweisen können! Also kramte ich aus Därrs "Durch Afrika" eine Hoteltelefonnummer aus Khartoum und telefonierte über Satellit aus der namibischen Walachei heraus ein paar Mal mit dem netten Manager, der uns dann über e-mail mit einer Bestätigung half! Wir mailten sie dann nach Berlin und schwupp innerhalb einer guten Woche waren die Sudan-Visa in den Pässen! Das ist schon beeindruckend, wie das mit der Technik so rund um die Welt, selbst im tiefsten Busch so klappt!
Bevor wir aber nun im "Himbaland" ankamen, gab es mal wieder ein Unglück: Abends wollte Jo ein Sonnenuntergangsfoto schießen, ließ es aber, weil er die Kamera nicht finden konnte. (Bestimmt hat Bina sie verkramt!). Dann trafen wir unterwegs Alex und Holger mit ihrer KTM, von denen wir uns damals in Nairobi, in Kenia verabschiedet hatten. Sie fuhren nach Süden, wir nach Norden, nach Äthiopien. Jetzt in Namibia trafen wir uns wieder und hatten viel zu erzählen! Klar, dass es ein erneutes Abschiedsfoto geben sollte! Ging aber nicht, weil auch ich unsere Kamera nicht finden konnte! Nachdem wir ein paar Tage später das komplette Buschtaxi durchsucht hatten, waren wir denn sicher, dass sie uns geklaut worden war! Sunn Mist! Wir überlegten, dass es in Windhoek gewesen sein musste, kamen aber nicht dahinter wo und wie genau. Wahrscheinlich war es ein winziger unbeobachteter Moment gewesen. Was tun. Da die Leute in Skandinavien um eine Tasse Kaffee zu trinken, 400 km fahren, dachten wir, dass es legitim ist, für eine neue Kamera das Gleiche zu tun und fuhren wieder nach Windhoek. Irgendwie ließ uns die Stadt nicht los. Sofort trafen wir auch wieder Alex und Holger und auch Thomas, der mit seinem IFA W50 und seiner "Notfall-KTM" hinten drin unterwegs ist. Alle wunderten sich, uns schon wieder in der Stadt zu sehen, wo unsere Pläne ja nu ganz anders gewesen waren. Na ja, jetzt haben wir eine noch viel tollere Kamera als vorher, haben uns in Windhoek noch nett was mit unseren Reisefreunden erzählt und sind dann halt einen Tag später wieder losgedüst nach Norden!
Über die verwegensten Pfade (mehr war es wirklich nicht!) fuhren, bzw. holperten wir nun endlich durch den wilden Nordwesten. Wir fuhren mehr oder weniger trockene Flussbetten entlang, wo wir ganz ohne Nationalpark Giraffen, Zebras, Antilopen, Elefanten und Löwen beobachten konnten. Wunderbare Schlafplätze zum Buschcampen fanden wir auf einem Berg z.B., wo wir meilenweit keinen Menschen sahen, nur trockenes Wüstengebiet und Einsamkeit um uns herum. So ging das einige Tage. Dann sahen wir unsere ersten Himba! Zwei Männer, die in einem für uns absolut trocken wirkenden Flussbett unter einem Baum saßen und Pfeilspitzen in einem Feuerchen schmiedeten. Das einzige Wasser, das wir in diesem Tal sahen, war ziemlich grün und stand in einem Loch von 2x3 Metern, das die Menschen dort gegraben hatten. Wir hockten uns ein bisschen zu den beiden und sie zeigten uns, was sie machten - ziemlich aufregend. Der Jüngere fragte dann nach Augentropfen, die ich aus dem Buschtaxi kramte und ihm direkt einträufelte. In solchen Momenten fühlt man sich merkwürdig. Mit einem Haufen ausgefeiltester Technik im Nacken kann man so einfach lebenden Menschen helfen. Und trotzdem fragt man sich, wer denn "weiter" ist. Wir wären ohne unser Buschtaxi samt Inhalt niemals bis hierher gekommen, geschweige denn, dass wir in einem für uns trockenen Flussbett überleben könnten! Dann kam ein Junge dazu. Sollten wir ihm jetzt Süßes geben oder nicht? Wir ließen es, waren froh über diese Begegnung und hofften, dass wir möglichst wenig "kaputt" gemacht hatten. Als wir weiterfuhren, sprachen wir bestimmt eine halbe Stunde lang nicht und hingen beeindruckt unseren Gedanken nach. Die Landschaft war weiterhin uneingeschränkt schön und wild! Das nächste Highlight war der Van-Zyl's-Pass, der an und für sich nur für die Fahrt von oben nach unten gedacht und freigegeben ist. Uns begegnete er aber nun auf dem Weg von Süd nach Nord und musste von unten nach oben befahren werden! Ich muss sagen, dass wir beide ganz schön aufgeregt waren! Schon der Einstieg ging besser mit Sperren als ohne! So sollte es weitergehen. Mit meinem BJ hätte ich keine Chance gehabt, aber das Buschtaxi kletterte über z.T. 50 cm hohe Felskanten bei einer nicht zu verachtenden Steigung. Und - auch wennn ihr das nicht mehr gut hören könnt - wir waren wiedermal schwer beeindruckt, was der Toyo alles so meistert, wenn er einen passenden Fahrer hinter seinem Lenkrad hat! Jochen meinte mit ein paar Stöcken links und rechts wäre die Strecke zu seinen Trialzeiten eine Sondersektion gewesen.
Weiter ging es durch Himbakraals, wo uns der Geruch wieder an Tibet oder Südwest-Äthiopien erinnerte. Auch hier pflegen die Menschen ihre Haut mit Butter oder anderen Tierfetten. Je weiter wir nach Norden in Richtung Epupa-Fälle kamen, desto "westlicher" und touristischer wurden auch leider die Himba, denen wir begegneten. Auch war das Betteln hier wieder in, schade. Später hörten wir, dass zwei Himba grad als "Anschauungsobjekte" oder Köder mit nach Deutschland zur Tourismusmesse geflogen waren. Was die sich wohl in Deutschland gewundert haben! Um wieder in die Zivilisation zu gelangen, fuhren wir dann nach Süden und konnten nicht umhin, uns nochmal bei Brigitte und Rainer auf Liebenwerda blicken zu lassen. 2,3 Tage genossen wir mal wieder die Ruhe, streichelten den fast zahmen Kudu Rudolf, wurden von Brigittes Küche verwöhnt und erzählten ohne Ende! Julia, die auch zu Gast war, hatte die Delikatesse, Omajova-Pilze gefunden, aber so viel, dass es Brigitte was viel wurde und Rainer sich beklagte, dass er sie bald nicht mehr sehen könnte! Jochen und ich genossen sie natürlich! Dann, nach einem letzten Anruf zur Sudanvisumbestätigung brachen wir auf nach Osten, so langsam Richtung Deutschland. So langweilig wie viele den Caprivistreifen im Nordosten Namibias finden, erschien er uns nicht. Irgendwie merkte man doch, dass Ostafrika näherrückte, z.B. an einer ziemlich abgewrackten Hütte neben der Straße, der Bar "Chicago Inn". Vor wechselnden Elefanten wurde ständig auf Schildern gewarnt. Wir sahen zwar keine, aber die Straße lag voll von ihren Klöpsen. Die Leute im Caprivi bebauen ihre Felder, auch Männer liefen mit Hacken herum (!), und leben in runden Reisighütten mit Elefantenschutzzäunen drumrum. Die Caprivinacht verbrachten wir am Rand des Linyanti-Überschwemmungsgebiets auf einer wohl schon länger nicht mehr so richtig benutzen Campsite in der Einsamkeit. Die Tür zur Draußentoilette im Schilfzaun baumelte lose herum und aus dem Wassertank tropfte die "Dauerdusche". Trotzdem gab es nebenan ein gemauertes Einzimmer-Häuschen und ein intaktes Zelt mit einer Schlafstätte drin. Ein Mensch war weit und breit nicht zu sehen. Die Tür des Häuschens stand offen und auf der Schwelle warteten die Pantoffeln auf ihren Besitzer. Wir riefen auch mal, aber nichts tat sich. Ein Haufen Zeugs lag herum, neue Petroleumlampen, ein Gewehrschrank (sogar abgeschlossen), eine Spülschüssel mit ungespültem Geschirr, Schüppe, Machete, Angel und ein Dreamcatcher, der am Zelt baumelte, wies auf einen Weißen hin, der hier hauste. Aber im Moment wohl nicht. Komisch war auch, dass in Afrika kein Mensch solche Schätze herumliegen lässt, weil hier alle alles gebrauchen können! Was uns auch 'was stutzig machte, war der Aasgeruch, der unüberriechbar aus dem Unterholz strömte. Na ja, es war fast dunkel, was sollten wir tun. Ich verschwand zum Buschtaxi, weil es mir arg unheimlich war, Jo lief noch ein bisschen rum, kuckte in den Bäumen, ob da jemand hing, wie er mir später erzählte und plante für den Morgen einen "Ausflug" mit der Machete, um nach der Quelle des fiesen Geruchs zu suchen. Dieser Abend zusammen mit den Radionachrichten über Proteste gegen brutale Morde in der Gegend ließen uns kein Auge zutun. Es musste ein ziemlicher Sonderling sein, der hier lebte, bzw. gelebt hatte. Der Raum des Häuschens beinhaltete neben jeder Menge Unordnung auch Fotos von Livingstone, Karten seiner Expeditionen und verschiedene Exponate in Glaskästen.
Na ja, auch diese Nacht ging vorbei. Nilpferdschnaufen gab es noch zu hauf und Fröschequaken, das sich aber vielmehr wie Knacken anhörte. Als die Sonne aufging, waren wir gut gerädert. Jochen stand auf und verkündete recht bald: Der Tote ist auch da! Er hat mir grad gewunken. Ja, so kann es gehen!
Ein netter Mann war es, der hier lagerte, um die einheimischen Schwarzen zu Touristenguides auszubilden. Wahrscheinlich genoss er so großes Ansehen, dass er es sich leisten konnte, alles rumliegen zu lassen. Er fand es auf jeden Fall gut, dass wir uns solche Sorgen um ihn gemacht hatten! Der Aasgeruch kam übrigens von einer toten Meerkatze, wie er uns dann erzählte!
Das nächste Abenteuer war die Grenze zu Sambia. Abenteuerlich aber auch nur, weil wir Grenzabfertigungen überhaupt nicht mehr gewohnt waren, in Namibia waren wir fast 7 Wochen! Ein bisschen schwarzafrikanisch war nur der Tisch in dem abgewrackten Wohnwagenbüro, der immer zu der Seite kippte, an der jemand auf ihm schrieb.
Jetzt sind wir also wieder in Sambia! 200 km waren es noch bis zu dem Punkt, an dem wir vor Monaten nach Botswana überwechselten. Meine Theorie von Bekanntem und so war tatsächlich richtig! Es tat mir richtig gut, zum 2. Mal nach Livingstone zu kommen und auch das gleiche Camp zu bewohnen - ein bisschen wie "nach Hause kommen". Auch zu den Victoria-Falls gingen wir ein zweites Mal. Nur war es dieses Mal gänzlich anders: Es fiel wirklich Wasser! So viel, dass es von ganz unten wieder hochkam, um dann ein zweites Mal, dieses Mal als Regen, auf uns niederzufallen! Gigantisch!
Im Moment sitzen wir wieder auf einer Campsite, die für uns schon eine alte Kiste ist und schreiben diese Zeilen. Es wirkt hier ein bisschen herbstlich, der ganze schöne Platz ist von 2,3 Meter hohen feuerrot-orange blühenden Blumen umgeben. Die Sonne wirft schon lange Schatten. Morgen geht es weiter über Lusaka nach Tansania und Kenia. Da sind dann hoffentlich unsere Pässe, Nordostafrika-Landkarten und Reiseführer schon gelandet. Von Kenia wollen wir dann wieder etwas ruhiger vorankommen und uns dieses Mal auch den Norden Äthiopiens ankucken, von dem wir ja beim 1. Versuch vertrieben wurden!
Wieder bleibt jetzt nur, euch allen alles Gute zu wünschen, so z.B. dass der Frühling bald durchbricht! Es sind jetzt noch gut drei Monate, dann wollen wir wieder zu Haus sein - man kann also schon sagen: Bis bald!
Macht es gut, Bina und Jochen, wieder aus Sambia Redaktion: |
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